24h Urlaub am Alfsee

Der Mann der letzten Runde

Sonntagabend:

Etwas Sonnenbrand, Dreck in den Augen, müde, eigentlich vollkommen erschöpft aber glücklich. Das fasst das Ergebnis des diesjährigen 24-Stunden-Rennens am Alfsee zusammen.

Das Ganze beginnt aber schon viel früher: Die Teambetreuung Stogo und Timo lassen für Movement Krzysztof, Contantin, Micha und Stephan an den Start gehen. Auch, wenn wir sonst eher in anspruchsvollerem Gelände unterwegs sind, freuen wir uns auf das Event mit dem einfachen 12km Rundkurs um den See. Immerhin können wir auf eine erfolgreiche Vorbereitungsphase zurückblicken.

Samstag:

Micha und ich reisen am Samstag an. Sehr cool – das Team hat schon am Tag zuvor das Fahrerlager aufgebaut. Ein Bereich zum Essen und/oder Abhängen, ein Bereich zum Erholen, riesige Zelte mit mehreren Räumen zum Schlafen und Regenerieren. Speisekammer, Kühlschrank, Toaster, Wasserkocher, Akkuladestation, Soundsystem und Beleuchtungsanlage sind natürlich obligatorisch. Okay, vielleicht übertreibe ich hier ein wenig, wir hatten es aber schon recht gut. Nicht zuletzt auch, weil uns BikeBauer Thomas eines von seinen EasyUp-Zelten zur Verfügung gestellt hat. Fettes Dankeschön!! Toll, wenn sich Freunde unkompliziert und selbstverständlich aushelfen. Lesenswert auch Normans Bericht zum Rennen.

Insgesamt fehlte es aufgrund der guten Organisation vom Veranstalter eh an nichts. Im Verpflegungszelt konnten sich Fahrer und Betreuer an allem bedienen. Neben der normalen Sportlerverpflegung wie Obst und Getränken gab es Nudeln mit verschiedenen Soßen, Kuchen, Waffeln, Brote, Brötchen, Müsli, Joghurt und einen ganzen Stand mit veganem und glutenfreiem Essen.

Genaueste Zeitplanung im Fahrerlager (und Massage)

Das Rennen beginnt um 14 Uhr. Unsere Taktik sieht vor, in 2er Runden zu wechseln, Constantin macht den Start. Leider zeigt sich schnell, dass alle anderen Teams mit der wechseln-nach-jeder-Runde-Taktik schnellere Zeiten einfahren. So passen wir uns an, und sind nicht unzufrieden. Vor allem Constantin haut eine gute Rundenzeit nach der anderen raus: seine 31:32 wird unsere Bestzeit bleiben. Wir pendeln uns auf Platz 15 ein. Gar nicht so übel.

Das Wetter ist perfekt, fast ein bisschen zu warm. Die Strecke verwandelt sich so in eine Art staubigen Sandkasten. Die wenigen Trail-Abschnitte werden aufgebremst, schnell bilden sich Bremswellen vor Gefahrenstellen. Das liegt uns: je technisch anspruchsvoller desto besser! Trotzdem lässt die Dunkelheit und später natürlich die Müdigkeit die Rundenzeiten länger werden. Auf den Runden in der Nacht kreisen die Gedanken: „Kommt gleich die S-Kurve? Wie lange macht meine Lampe noch mit? Bin ich schon an der Schaf-Wiese vorbei?“

Egal, im Team feuern wir uns an, die Betreuung leistet gute Arbeit und wir beißen die Zähne zusammen. Regenerationstechnisch helfen warme Duschen mit musikalischer Untermalung (auf dem Luxus-Campingplatz), gutes Essen und sporadische Massagen im Physio-Zelt.

Micha mit Messer zwischen den Zähnen

Sonntag:

Ein grandioser Sonnenaufgang läutet die letzten Stunden des Rennens ein. Bis 14 Uhr müssen wir noch durchhalten; Unsere Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Wir haben uns bis auf Platz 13 vorgearbeitet. Das spornt an! Frühstücksmäßig plündern wir die Verpflegungsstation und treten noch einmal in die Pedalen. Zwar verschwindet mit der Sonne die Müdigkeit – es wird jedoch immer heißer. Ganz schön schweißtreibend und anstrengend.

Fahrerbesprechung am Ende: Zeitlich gesehen können wir ab jetzt noch drei Runden schaffen. Wenn wir uns beeilen, könnten wir noch kurz vor Ablauf der 24 Stunden auf die vierte Runde gehen. Das würde sich bestimmt gut auf unsere Platzierung auswirken! Per Telefon bekomme ich auf meiner letzten Runde Anweisung aus dem Fahrerlager: „Gib Kette! Hau rein! Wir schaffen das noch!“ Das gleiche macht Krzysztof auf seiner Runde und dann unser Ass: Constantin. Er schafft die letzte Runde vor 14 Uhr und geht somit auf die extra Runde! Tolle Leistung! Somit schaffen wir knapp den 11. Platz! Auf unserem Konto stehen am Ende 41 Runden, insgesamt sind das ungefähr 492 km.

Eine schöne Veranstaltung, nicht zuletzt, weil die Atmosphäre hier einfach stimmt: gut organisiert und man trifft viele nette Leute. Langsam packen wir unsere Sachen, klopfen uns noch einmal gegenseitig auf die Schultern, lachen uns schlapp, warum man sowas macht und organisieren die Rückfahrt. Mit etwas Sonnenbrand, Dreck in den Augen, müde, eigentlich vollkommen erschöpft aber glücklich …

Stephan

Die fantastischen Vier (oder: die Verrückten)

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